Aus der Konzeption: "Bildungsbereich Sprache und mathematisches Grundwissen"
Gerade im Bildungsbereich Sprache spielt die Vorbildfunktion der ErzieherIn eine ganz wesentliche Rolle. Die Freude an der Sprache, ihre Ausdrucksweise, ihre Echtheit und der bewusste Einsatz der Stimme (besonders bei Bilderbuchbetrachtung, aber auch im Alltagsgeschehen) wird von den Kindern sehr deutlich wahrgenommen.
Sprachförderung geschieht nicht nur in gezielten Angeboten, sondern findet umfangreich im alltäglichen Zusammenleben statt. Sei es die Begrüßung am Morgen, der gemeinsame Morgenkreis, die Tischgespräche beim Essen und das „Klönen“ mit und ohne ErzieherIn in kleiner Runde sind einige Beispiele dafür.
Gerade im Morgenkreis üben Kinder, sich vor einer Gruppe zu artikulieren, Hemmungen abzubauen, anderen Kindern zuzuhören und diese aussprechen zu lassen. Der Singkreis unterstützt ebenso die Aneignung dieser wichtigen Kompetenzen sowie die grundsätzliche Förderung der Mundmotorik und der Freude an sprachlicher (musikalischer) Artikulation
Sprache stellt die grundsätzliche Voraussetzung für die menschliche Kommunikation dar. Besonders in Konfliktsituationen fällt es Kindern schwer, sich verbal zu äußern, aber auch Gefühle der Traurigkeit, Enttäuschung und Ängstlichkeit sind nicht immer leicht für sie zu benennen. Das angeleitete, als auch das freie Rollenspiel sind ein kindgerechtes Übungsfeld, ihre Gefühle in Worte zu fassen.
Geschichten, Bilderbücher, Bildkarten, Bildergeschichten, Reime, Tischsprüche, Rätsel, Fingerspiele, Kniereiter, Lieder und Gesellschaftsspiele charakterisieren den Bereich der gezielten Sprachförderung (siehe auch Medienerziehung S.16).
Häufig ist zu beobachten, dass Kinder mit zunehmendem Alter ein starkes Interesse an Schriftsprache (Literacy) entwickeln. Ohne einer Verschulung Vorschub zu leisten, unterstützen wir bei den Kindern diesen Prozess, indem wir ihnen die Möglichkeit geben sich praktisch mit Buchstaben und Wörtern auseinander zu setzen. (Anlegen eines Schreibheftes, Buchstabenmemory, -puzzle, Schriftsprache im Alltag, z.B. beim Einkaufen, im Straßenverkehr, wahrnehmen.)
Die Begegnung mit Bilderbüchern gestalten wir in besonderer Weise, da uns langjährig zweimal wöchentlich unsere Leseoma „Rosi“ besucht. Durch ihren ehrenamtlichen Einsatz ist es möglich den Kindern eine Vielzahl von neuen und alten Bilderbüchern und Geschichten nahe zu bringen.
Einmal wöchentlich findet unter wechselnder Leitung der sogenannte Singkreis für alle Kinder und MitarbeiterInnen statt. Ein gemeinsames Liederrepertoire wird hier gepflegt, neue Lieder je nach Jahreszeit und Anlässen eingeführt. Im Vordergrund steht das Wecken des musikalischen Interesses und der Spaß am gemeinsamen Singen. Unterstützend wirken hier unter anderem der Einsatz der Gitarre, der Querflöte, der Blockflöte und des orffschen Instrumentariums. Der Sprachförderaspekt ist wie beschrieben ein weiteres Merkmal des Singkreises.
Seit dem Frühjahr 2007 nehmen alle Kinder, die sich zwei Jahre vor der Einschulung befinden an einer Sprachstandserhebung dem sog. Delfin 4 teil. Dieses Diagnoseinstrument ist gesetzlich festgeschrieben, so dass jedes Kind in der entsprechenden Altersstufe daran teilnehmen muss. Das Verfahren wird in Kooperation zwischen Schule und Kindertageseinrichtung durchgeführt.
Darüber hinaus wenden wir ein Jahr vor der Einschulung, wie unter dem Punkt gruppenübergreifende Kraft beschrieben S. 21, das Bielefelder Screening und bei Bedarf das Würzburger Trainingsprogramm an.
Eine Parallele zur Sprachförderung bildet die Aneignung mathematischen Grundwissens. Auch hier gibt es zahlreiche Alltagssituationen, die sich anbieten. Das Zählen der Kinder im Morgenkreis, das Abzählen des Geschirrs beim Tischdecken, die Essensmeldung an die Küche, der Einkauf für das Frühstück und den Nachtisch, die Mengenerfassung beim Backen und Kochen und das Bilden von Zweierreihen auf dem Weg in den Wald sind nur einige Beispiele.
Die verschiedensten Sortierspiele (Perlen in einer bestimmten Reihenfolge auffädeln), Zuordnungsspiele, aber auch zum Teil Gesellschaftsspiele („Mensch ärgere dich nicht“) und spezielle Rechenspiele setzen wir als gezieltes Instrument zur Erweiterung des mathematischen Grundwissens ein. Selbst Bilderbücher können für diesen Bereich eingesetzt werden, indem Kinder innerhalb eines Bildes Dinge zählen und deren Lage bestimmen.
Im Projekt „Zahlenland“ nach Gerd Preiß erfahren die Kinder in 2 Teilabschnitten den Zahlenraum 1-20. (Beginn jeweils ein halbes Jahr vor der Einschulung). In der eigens für den Elementarbereich entwickelten didaktischen Einheit werden die Kinder in spielerischer, phantasievoller und märchenhafter Weise in die Welt der Zahlen eingeführt. So haben die Zahlen hier „Wohnungen“, die mit entsprechenden „Möbeln“ eingerichtet sind und gemeinsam das „Zahlenhaus“ bilden. Gemeinsam besuchen wir die „Zahlenländer“ und erleben dort spannende und phantasievolle Abenteuer rund um eine Zahl. Auf dem Zahlenweg erfahren die Kinder mit und durch die eigene Bewegung die mathematische richtige Reihenfolge der Zahlen. So werden die Kinder abwechslungsreich in die Welt der Zahlen eingeführt ohne dabei „verschulte Methoden“ anzuwenden.